Die Chronik des Schützenvereins
Weit mehr als 1924...
Die Quelle unseres Schützenwesens beruht auf der mittelalterlichen Wehrfassung und der „Mode“, Schützengesellschaften zu gründen. Erreicht hat diese Quelle unsere Heimat um 1400. Es heißt, dass damals mit der Armbrust auf einen aus Holz gestalteten Vogel geschossen wurde, der auf einem hohen Pfahl saß. Später wurde dann das Scheibenschießen mit der Büchse eingeführt.
Nachforschungen ergaben, dass um 1700 herum das Scheibenschießen verboten wurde, da es zu „Gesöff und allerhand Händel“ gekommen sein soll. Dieses Verbot wurde jedoch 1741 aufgehoben, und der damalige Gutsbesitzer Baron von der Eltz bat die Amtsobrigkeit in Ilten um die Genehmigung, am Tage nach Pfingsten das Scheibenschießen wieder veranstalten und drei halbe Fass Bier auflegen lassen zu dürfen.
Dies ist die älteste uns bekannte Information einer Schützenbewegung unseres Heimatortes. In einem Kirchenbuch wird erwähnt, dass am 25. September 1814 – in der Zeit der Befreiungskriege – bei dem mittlerweile alljährlich stattfindenden Freischießen der Scheibenweiser Heinrich Achilles von einem Schützen „bedauerlicherweise“ tödlich verletzt wurde. Das vorgesehene Schützenfest wurde daraufhin nicht gefeiert.
Ein weiterer frühzeitiger Hinweis auf das Bestehen unserer Schützengesellschaft ist eine noch vorhandene, zerschlissene Fahne aus dem Jahre 1863, auf der zu lesen ist: „Vivat der Schützengesellschaft Rethmar“. Auch ist noch eine Fahne aus dem Jahre 1895 vorhanden, die lange Jahre bei Festaufmärschen dem Verein vorausgetragen wurde.
Die Schützengesellschaft war zur damaligen Zeit den Überlieferungen nach eine lose Verbindung aus jungen, unverheirateten Männern über 18 Jahre. Alljährlich trat diese „Junggesellschaft“ zur Fastnachtsfeier zusammen und beschloss das im Sommer zu veranstaltende Schützenfest. Dieses fand meistens an einem der ersten beiden Sonntage im Juli statt. Nach dem Festumzug zur Anbringung der Königsscheibe wurden bereits damals alle am Umzug Beteiligten über mehrere Stunden mit ausreichend Essen und Trinken bewirtet. Dabei gerieten 1924 die Junggesellschaft und die ältere Generation in einen Streit. Daraufhin beschloss die ältere Generation, dass aus der losen Schützengesellschaft ein straff geordneter Schützenverein entstehen sollte.
So kam es, dass am 30. Juli 1924 von 45 Männern der Schützenverein Rethmar gegründet wurde. Der Bauer Wilhelm Bendix wurde zum 1. Vorsitzenden gewählt, und noch im selben Jahr wurde die Vereinssatzung erarbeitet und angenommen. Der Verein wurde beim Amtsgericht Burgdorf angemeldet und der jährliche Beitrag auf damals drei Reichsmark festgesetzt. Beschlossen wurde ferner der in Eigenleistung entstehende neue Schießstand auf den sogenannten Rodteilen am Billerbach. Den Bauarbeiten wurde ein zünftiges Richtfest in Aussicht gestellt.
Die schnellen Entschlüsse kamen jedoch nicht alle zum Tragen. Die Bauarbeiten wurden, statt in Eigenleistung, an den Maurermeister Könecke vergeben; Bausand sowie Mauersteine wurden vom Gastwirt Karl Heinecke zur Verfügung gestellt. Bereits zwei Monate später konnte am 31. Mai 1925 der Schießstand eingeweiht werden. Der Schütze, der den ersten Schuss auf dem neuen Stand abgab, musste ein Fass Bier kaufen. Zwei Scheibenbüchsen mit handgefertigter Munition waren auf dem Schießstand vorhanden.
Am 19. Juli 1925 wurde das erste Schützenfest unter der Regie des Schützenvereins gefeiert. Zu diesem Fest beschafften sich die Schützenbrüder eigene, einheitliche Schützenhüte. Der Bauer Heinrich Bode übernahm in der Jahreshauptversammlung den 1. Vorsitz, und unter seiner Leitung wurden nun jährlich in der ersten Julihälfte Schützenfeste gefeiert. Beschafft wurden eine Königskette, welche die verheirateten Schützenbrüder unter sich ausschossen, sowie eine Königsscheibe für die unverheirateten Mitglieder.
Die Verhandlungen mit den Festwirten Heinecke, Rehm und Denker umfassten stets das Aushandeln eines Gewinns für das Preisschießen; die Festzeltbauer wurden beköstigt und erhielten freie Unterkunft. Bei der von der Sehnder Kapelle gestellten Festmusik verhielt es sich ähnlich. Die Kapelle bekam pro Musiker 40 Reichsmark und freie Beköstigung. 1929 wurde das Schützenfest gemeinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr gefeiert, die an diesem Tage ihr 50-jähriges Bestehen beging. 1930 übernahm der Bauer Heinrich Hüsich das Amt des Schriftführers, welches er mehr als 30 Jahre lang ausübte.
Das letzte Schützenfest wurde 1939 gefeiert, danach ruhte der Verein. 1948 erinnerte man sich an die vor dem Krieg gefeierten Feste und wollte die schrecklichen Kriegsjahre vergessen. Da der Verein noch nicht wieder offiziell existierte, arrangierte der Sportverein Rethmar unter dem 1. Vorsitzenden Kurt Henning ein Fest und richtete es wie ein Schützenfest aus. Waffen durften zum damaligen Zeitpunkt noch nicht wieder getragen werden, weshalb die Königswürde in einem Kegelwettkampf ermittelt wurde. 1949 wurde die Königswürde dann wieder mit einer Waffe, der Armbrust, ausgeschossen.
1950 wurde das Schützenfest noch in Regie des Sportvereins gefeiert und die Königswürde mit dem Luftgewehr ermittelt. Bereits ein Jahr später kam es zur Neueintragung des Schützenvereins beim Amtsgericht Burgdorf. Bei der Jahreshauptversammlung 1952 wurde Ernst Bode zum 1. Vorsitzenden gewählt. Der im Krieg zerstörte Schießstand wurde in Eigenleistung durch einen neuen Massivbau ersetzt. Im Sommer konnte dort geschossen werden; bei winterlichen Temperaturen oder schlechtem Wetter wechselte man in den Saal von Denker oder Rehm. Allerdings wurde der Stand 1964 aus baupolizeilichen Gründen endgültig geschlossen. Da Geld und Maurer für einen Neubau fehlten, wurde durch Arbeitsverpflichtungen der Mitglieder sowie Zahlungen in die Baukasse erreicht, dass am 25. Mai 1968 ein neuer Stand in Betrieb genommen werden konnte.
Das Amt des 1. Vorsitzenden wurde 1959 von Erich Friehe übernommen; der Verein zählte mittlerweile 160 Mitglieder. 1963 wurde offiziell eine – von den Herren geduldete – Damenabteilung gegründet. Die Damen standen und stehen den Herren durch ihre tatkräftige Unterstützung bei allen Veranstaltungen zur Seite. Geführt wurde die Riege zunächst von Helene Schmidt (spätere Bendix). Es folgten Toni Hornburg, Ursula Müller, Roswitha Makrutzki und bis heute Claudia Wilk-Bertram.
Der Gastwirt Rehm baute für den Verein 1963 einen Luftgewehrstand und wurde für zehn Jahre zum Vereinswirt gewählt. Aufgrund eines Pächterwechsels wurde nach diesen zehn Jahren der Abkalbestall vom Rittergut Rethmar zum Luftgewehrstand umgebaut und bis heute immer wieder modernisiert. Das Gelände wurde 1987 von Herrn von Wackerbarth gekauft, der dem Verein jedoch auf Lebenszeit diesen Standort gewährte.
Den 1. Vorsitz übernahm 1962 Albert Osterwald. Mit ihm kamen Veränderungen ins Vereinsleben, wie etwa schießsportliche Wettkämpfe mit Vereinen anderer Ortschaften. Auch die Übernahme des Amtes 1969 durch Albert Kohls entwickelte den Verein weiter; er konnte unter anderem die „Sunshine Dance Band“ verpflichten, die ein Garant für gute Musik war. 1971 wurde erstmalig ein Volkskönig ermittelt, an dem auch Nicht-Mitglieder ab 18 Jahren teilnehmen konnten. Unter Albert Kohls wurde 1975 auch die „Schwarzpulverschwarte“ ins Leben gerufen, der seit der Gründung durchschnittlich 30 Mitglieder angehören.
1988 übernahm Manfred Wilk das Amt des 1. Vorsitzenden. Er wurde bei der Generalversammlung 2014 zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Im Januar 2014 wurde Olaf Bertram zum 1. Vorsitzenden gewählt. Unterstützung erfährt der Verein bei den Schützenfesten seit langem durch die Schaustellerfamilie du Carrois. Die Festwirte wechselten über die Jahre von Denker, Heinecke und Rehm bis hin zur heutigen Gastro GmbH bzw. Herrn Roffka.
Musikalisch begleitet wurden die Schützen lange von der Kapelle Sehnde oder der Kapelle Schmidt. Das Lied „Die Post im Walde“ war während des Festessens immer ein Höhepunkt. Weiterhin musizierten die Feuerwehrkapelle Hohenhameln und der Musikverein Ottbergen. Auch die Spielmannszüge aus Sehnde, Ahlten, Ilten, Lühnde und Equord waren und sind immer ein Hingucker.
Der Verein blickt auf eine lange und ereignisreiche Geschichte zurück. Die Mitglieder sind weit über Rethmar hinaus für ihre Schießergebnisse bekannt und vertreten den Verein erfolgreich bei Kreis-, Landes- und deutschen Meisterschaften.


